Design Sprints bei Volkswagen We
Interview mit Alexander Schmid

Bei Volkswagen We arbeiten Personen unterschiedlichster Fachrichtung an Lösungen für die Mobilität von Morgen. Das Team nutzt dafür verschiedene Methoden der agilen Produktenwicklung und hat sich im April dieses Jahres zum ersten Mal auf das Experiment „Design Sprint“ eingelassen. Wie es dazu kam und welche Erfahrungen das Team damit gemacht hat, schildert der Car-on-Demand Product-Owner Alexander Schmid im Gespräch mit Sprintbetter.

 

Hallo Alex, Du hast mit deinen Kollegen vom Volkswagen We Team vor kurzem zum ersten Mal Design Sprints genutzt. Wie war euer erster Eindruck?

Der erste Eindruck war sehr positiv, weil es perfekt zu unserem aktuellen Bedarf gepasst hat, in recht kurzer Zeit konkrete Fragestellungen zu klären und Ergebnisse zu erzielen. Dabei wurde uns auch bewusst, dass wir uns im „normalen“ Arbeitsalltag oft viel zu lange an einzelnen Fragen festbeißen und diese mit großem Zeitaufwand diskutieren, ohne wirklich schlauer zu werden. Deswegen war für uns neu und spannend zu sehen, dass wir beim Design Sprint durch die Kompaktheit des Prozesses gezwungen waren, schnelle Entscheidungen zu treffen und bereits nach kurzer Zeit in die Kundentests zu gehen. Die Ergebnisse haben dann gezeigt, dass man nicht viele Tage in Projektphasen, wie z.B. Research & Analyse, stecken muss. Wenn das Ganze entsprechend moderiert und durchgeführt wird, kann man in kürzerer Zeit viel mehr über den Markt und das Produkt lernen.

 

Wie unterscheiden sich Design Sprints von anderen Workshop Formaten, die ihr bereits genutzt habt, wie zum Beispiel Design Thinking Workshops?

Der Unterschied ist, dass man sich vorher schon Gedanken macht, welchem Problem man sich stellen bzw. welche Fragestellungen man lösen will. Und genau diese geht man dann in einer Woche fokussiert an und löst dabei auf dem Weg sogar noch mehrere angrenzende Fragen, an die man anfangs gar nicht gedacht hat. In Design Thinking Workshops geht man meist mit weniger Erwartungen rein und kommt mit eher vagen Ergebnisse raus. Beim Design Sprint sind die Ergebnisse viel greifbarer und man sieht deutlich, ob eine Fragestellung gelöst wurde oder nochmals vertieft werden muss.

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Für welche Fragestellungen eignet sich die Methode deiner Meinung nach besonders gut?

Wir haben ja mehrere Sprints gemacht und konnten dabei feststellen, dass die Methode sehr vielfältig einsetzbar ist. Im ersten Sprint ging es um die Value Proposition, wir wollten also rausfinden, welchen Mehrwert unsere Lösungsansätze dem Kunden tatsächlich bieten. Der zweite Sprint war dann viel produktlastiger und bewegte sich auf einer Funktions- und UX-Ebene. Im letzten Sprint ging es dann darum, wie die Produkt-Kommunikation und einzelne Marketing-Aktivitäten aussehen könnten. Das Schöne ist, dass man am Ende eines jeden Sprints durch die Validierung mit Kunden immer direkt Klarheit bekommt, ob in der richtigen Richtung unterwegs ist oder seine Ideen und Ansätze nochmals kritisch hinterfragen sollte.

 

Ein Sprint dauert in der Regel 3 bis 5 Tage, erfordert also ein relativ hohes Zeit-Invest der Mitarbeiter im Unternehmen. Hast du das Gefühl die Ergebnisse werden diesem Investment gerecht ?

In unserem Fall haben die Sprints jeweils 4 Tage gedauert und der Bau der Prototypen wurde jeweils komplett vom Sprintbetter Team übernommen. Daher waren es für uns letztlich nur 3 Tage. Für mich liegt der Vorteil darin, dass man sich einfach mal intensiv mit dem Team auf ein Thema konzentriert. Dies zeigt sich auch in den entsprechenden Outputs. Ansonsten eiert man oft ewig an solchen Themen herum: Da mal eine Stunde konzentriert alleine arbeiten, hier mal ein Brainstorming im Team – aber dann bleibt es wieder eine Woche oder länger liegen und man kommt nicht voran. Das war das Schöne beim Design Sprint: Du hast diesen Fokus. Ich denke, dass man unterm Strich deutlich weniger Zeit investiert, als beim klassischen Vorgehen.

 

Ist es deiner Meinung nach wichtig, dass die Sprint Teilnehmer die ganze Zeit anwesend sind?

Auf jeden Fall! Das war ja bei uns in einem Sprint leider nicht der Fall und war definitiv nicht optimal. Es hatte sich auch gezeigt, dass es keinen Sinn macht, wenn Kollegen sich abwechseln – beispielweise, dass ein Kollege am ersten Tagen anwesend ist und der Andere kommt am zweiten Tag dazu. Damit das Ganze richtig Sinn macht und gut funktioniert, sollten alle Teilnehmer die komplette Zeit verfügbar sein. Besonders bei den Interviews und der anschließenden Abschlussbesprechung sollte möglichst das komplette Team anwesend sein, da hier klar wird, wie es in den nächsten Wochen mit dem Produkt weiter geht.

 

Welchen Ratschlag würdest du einem Unternehmen geben, das sich nicht sicher ist, ob Design Sprints die richtige Methode für ihre Herausforderungen sind?

Einfach mal ausprobieren! Sich ein Thema aussuchen, an dem man sich schon eine Weile die Zähne ausbeißt und einfach mal loslegen. Von meinem Bauchgefühl wüsste ich jetzt spontan nicht, was dagegensprechen könnte. Dieser Zwang, in einer bestimmten Zeiteinheit Dinge zu machen und direkt zu validieren, ist einfach etwas, was jedem Unternehmen weiterhilft – egal ob Startup oder Großkonzern. Klar gibt es auch andere Ansätze der agilen Produktentwicklung, aber eine solche Kompaktheit, wie bei Design Sprints, habe ich bisher noch nicht gesehen.

 

Danke Alex für das informative Gespräch und wir freuen uns schon auf den nächsten Sprint mit euch!